Yoga: Drishti

Das habt ihr sicher auch schon erlebt – während ihr länger in einer Asana oder Position verharren möchtet, wandern eure Augen im Raum herum. Dabei könnt ihr erkennen, dass ihr dringend eine Pedicure braucht, oder dass das zweite Tablar im Regal unbedingt gründlich abgestaubt werden sollte, oder ihr entdeckt endlich unter einer Kommode die lang gesuchte Schere, oder, oder…. Ja genau, wenn die Augen wandern, dann wandern auch die Gedanken.  

Wie nicht anders zu erwarten gibt im Yoga es Abhilfe dafür und heisst Drishti. Drishti lässt sich am einfachsten als «Blick» übersetzen, beinhaltet aber auch anblicken, anstarren oder noch einfacher fokussieren. Ich würde sagen Dristhi ist das Festhalten mit den Augen, in dem man sich auf einem Punkt konzentriert. Im Kurs habt ihr dieses Festhalten vor allem im Zusammenhang mit den Gleichgewichtsübungen erfahren. Denn es ist schwierig auf einem Bein im Gleichgewicht zu bleiben, wenn die Gedanken herumschwirren. Das heisst, das fokussieren der Augen auf einen Punkt, hilft die Gedanken zu konzentrieren und damit auch besser im Gleichgewicht zu bleiben.

Nur so nebenbei, im Stresszustand wandern die Gedanken ja auch wie wild im Kopf herum, verändern den Atem, bis wir im extrem Fall neben den Schuhen stehen. Deshalb kann ein Dristhi im auch Alltag  helfen, die Gedanken wieder etwas zu beruhigen und zu kontrollieren, indem wir für einen kurzen Moment unsere Augen auf einen Punkt konzentrieren und tief durchatmen.

Nun aber zurück zum Yoga – hier werden von Sri K. Pattabhi Jois acht verschiedene Drishtis unterschieden:

Nasagram drishti – Nasenspitze
Ajna chakra oder bhrumadhya drishti – zwischen den Augenbrauen
Nabhi chakra drishti – Bauchnabel
Hastagram drishti – Hand
Padayoragram drishti – Zehen
Parshva drishti – stark nach rechts oder nach links
Angushthamadhyam drishti – Daumen
Urdhva or antara drishti – in den Raum nach oben

Das bhrumadhya drishti wird oft auch während der Meditation empfohlen. Bei gewissen Zen Meditation, wo die Augen leicht offen bleiben, wird ein Dristhi oder Fokus an der Wand oder auf dem Boden empfohlen, damit die Augen, und somit auch die Gedanken, nicht wandern.

Ich meine, man kann jeden Punkt in unserem Blickfeld, an dem wir unsere Augen anheften können, als Dristhi bezeichnen. Ich würde euch auf jeden Fall empfehlen, damit zu experimentieren, denn es ist spannend zu beobachten, wie sich mit der Veränderung des Dristhi das Gefühl und die Wahrnehmung in einer Asana verändern kann.

P.S. und nicht zuletzt soll es auch noch gut für die Augen sein.

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