Ich möchte mit dem heutigen Artikel eine neue Serie beginnen, unter dem Motto «Was ist das?». Aktuell zum Thema Yoga. Yoga ist zwar im Westen sehr populär, leider wissen aber viele die «Yoga machen» nicht, was Yoga eigentlich ist. Die meisten assoziieren Yoga mit Körperübungen und wissen nicht, dass mit Yoga noch viel mehr verbunden ist. Meistens stammen die Übungen, die in manchen Kursen angeboten werden, aus dem sogenannten Hatha Yoga. Leider werden die restlichen Aspekte des Hatha Yoga wie Pranayama (Atem- bzw. Energiekontrolle) sowie Yoga Nidra oder Yogi Schlaf, vergleichbar mit der Tiefenentspannung oder Meditation oft nicht mit angeboten. Das ist schade, den die Körperübungen sind letzltich nur die Vorbereitung auf die oben erwähnen Teile des Hatha Yoga.
Aber auch Hatha Yoga umfasst nur einen kleinen Teil, von dem was Yoga eigentlich ist. Das Wort Yoga wird abgeleitet von dem Sanskritwort «yug» das Joch bedeutet. Nun das hat nichts mit unterjochen zu tun, sondern ein Joch hilft, zwei, oft, in entgegengesetzte Richtung sich bewegende Einheiten, zu vereinen und sie dazu zu bringen, ihre Energie in die gleiche Richtung fliessen zu lassen. Das heisst, Yoga bedeutet Einheit, Eins sein oder wie Yogananda das genannt hat: Selbstverwirklichung, das werden was man wirklich ist.
Wie schwierig es sein kann, verschiedene innere Teile dazu zu bringen am gleichen Seil zu ziehen, könnt ihr vielleicht manchmal erleben, wenn es Zeit wäre Yoga zu machen und der eine Teil meint, so los es tut dir gut und der andere Teil findet, nein, heute habe ich keine Lust dazu. Aber ihr kennt sicher noch andere Situationen wo ihr so hin und her gerissen seid. Ein Zeichen dafür, das in dem Moment kein inneres Yoga oder Eins sein stattfindet.
Was ich oben beschrieben habe, ist das Ziel. Aber Yoga ist nicht nur ein Ziel, sondern auch der Weg zu diesem Ziel. Allerdings gibt es nicht nur einen Weg, sondern es gibt verschiedene Wege, die zum Yoga oder Selbstverwirklichung führen. Zum einen der oben genannte Weg des Hatha Yoga, der ursprünglich eigentlich mehr dazu gedient hat, den Körper ins Gleichgewicht zu bringen, ihn flexibler zu machen, damit man länger und entspannter sitzen und meditieren kann. Denn Meditation ist eine zentraler Aspekt den die meisten Yogawege gemeinsam haben. Die Fitness war eigentlich nur eine positive Nebenwirkung.
Nun es gibt eine ganze Reihe von Yogapfaden:
• Hatha Yoga ist eine mehr körperorientierte Form des Yoga. Das Wort Hatha kann man in Ha – Sonne und tha – Mond aufteilen. Diese Definition würde dann dem bekannteren Yin/Yang entsprechen. Das Wort als ganzes hat zusätzlich die Bedeutung von – Kraft oder Hartnäckigkeit. Grundlegend geht es beim Hatha Yoga darum, ein Gleichgewicht zwischen Körper und Geist, mit Hilfe von Asanas (Körperübungen), Pranayama (Atemkontrolle), Yoga Nidra (Tiefenentspannung) und Meditation herzustellen und wird oft als Vorbereitung für die anderen Yogapfade betrachtet.
• Kundalini Yoga ist auch eine körperorientierte Form von Yoga, allerdings dynamischer als das Hatha Yoga. Es wurde von den Sikh entwickelt und meist zusammen mit Tantra Yoga praktiziert. Kundalini stammt von Kundala und bedeutet die Aufgerollte. Was da aufgerollt ist, ist eine Art Reserveenergie die im Wurzelchakra ruhen soll. In bildlichen Darstellungen wird diese Kundalinienergie oft als Schlange dargestellt. Mit Hilfe des Kundalini Yoga sollen der Körper und die Nerven auf das Erwachen dieser Energie vorbereitet werden.
• Bhakti Yoga das Yoga der Hingabe und der Liebe, wird oft auch das Herzensyoga genannt. Beim Bhakti Yoga geht es darum sich einer göttlichen Kraft hinzugeben und alle Handlungen diesem Göttlichen in Liebe zu widmen. Es ist aber keine emotionale Hingabe, sondern basiert auf einem Vertrauen in diese Kraft die zu einem entsprechenden Handeln führt. Dabei geht es nicht darum, was diese Kraft für uns tun kann, sondern wie wir dieser Kraft in Liebe am Besten dienen können. Für mich ist dies einer der herausforderndsten Pfade, auch anderen soll es so gehen, wie ich vernommen habe, da es zum Teil schwierig ist dieses Yoga mit unserem alltäglichen westlichen Gedankengut in Einklang zu bringen.
• Jnana Yoga wird als das Yoga des Wissens oder der Erkenntnis bezeichnet. Zumindest der Ausgangspunkt bei diesem Yoga ist der Intellekt, der sich mit der Zeit aber immer mehr mit dem Herzen vereint. Das zentrale Werkzeug beim Jnana Yoga ist die Meditation und das Fragen. Eine der zentralen Fragen im Jnana Yoga ist: «Wer bin ich?»
• Karma Yoga ist der Pfad des Handelns und des selbstlosen Dienens. Durch dienen soll das Herz gereinigt werden von Egoismus, Überheblichkeit und anderen negativen Eigenschaften. Der Kern dieses Pfades ist das Handeln, nicht einfach dasitzen und liebe Gedanken haben. Trotzdem ist laut Bhagavat Gita auch hier die Meditation wichtig, die als eine Form des Handelns betrachtet wird.
• Raja Yoga auf Deutsch das königliche Yoga, oft auch Asthanga Yoga genannt, weil es achtgliedrig ist, das heisst aus acht Aspekten besteht, die zur geistigen Kontrolle führen sollen. Oft ist auch das Hatha Yoga ein wichtiger Teil vom Raja Yoga, da es, wie schon oben erwähnt, den Körper auf längeres Sitzen vorbereitet, da die Meditation auch zentral für diesen Yoga Pfad ist. Dieser Pfad wird in den Yoga Sutras von Patanjali beschrieben, darüber mehr zu einem späteren Zeitpunkt.
• Tantra Yoga ist ein mehr esoterischer Pfad, der über Selbsterkenntnis zur Erleuchtung führen soll. Esoterisch auch weil sein Inhalt lange geheim gehalten wurde. Die ersten Stufen beinhalten geistige Techniken, die wir heute zum Teil auch im Westen in Form von Mental Training finden können, aber das Tantra geht weiter und tiefer. Lange wurde das Tantra Yoga bei uns als eine Form von sexuellem Yoga angesehen, dem ist aber nicht so, es gibt zwar den sogenannt linken Pfad im Tantra, der sich mit Sexualität beschäftigt, aber auch hier nur einen kleinen Teil ausmacht.
Wie ihr von den Beschreibungen oben sehen könnt, geht es beim Yoga also nicht nur um den Körper sondern auch um innere Transformation, Wachstum und Gleichgewicht.
Nun, das war ein kleiner Einblick in einige der Yoga Pfade. Wie ihr aus dieser Aufzählung erkennen könnte, gibt es nicht nur verschieden Wege nach Rom, sondern auch zum Erreichen des Yoga oder der Selbstverwirklichung. Die Menschen waren wohl schon früher verschieden und nicht jeder Pfad war für jeden der Richtige. So entstanden die verschiedenen Pfad damit jeder seinen Weg finden konnte und es war auch nicht ungewöhnlich verschiedene Wege zu testen und vielleicht auch eine eigene Kombination zu finden. Aber für die Interessierten ist das Hatha Yoga sicher ein guter Einstieg, den man mit der Zeit mit anderen Pfaden ergänzen oder einfach die positiven Auswirkungen des Hatha Yoga geniessen kann.