Während des Lockdowns hatte ich Gelegenheit mir mehrere Serien über medizinische Forschungen anzuschauen. Das war und ist hoch spannend, vor allem was so in den letzten 5 bis 10 Jahren bekannt wurde und heute, zumindest in den angelsächsischen Ländern in der sogenannten funktionellen oder integrativen Medizin angewendet wird.
Was mich aber am meisten fasziniert hat, ist, dass einige dieser Erkenntnisse Wirkungen von Yoga erklären. Das konnte man bis anhin zwar beobachten, aber jetzt kann man es detaillierter erklären. Ich habe da eine Reihe von Themen gefunden, über die ich euch noch berichten werde.

Heute möchte ich mit dem Thema Pranayama und Mitochondrien beginnen. Zuerst was sind Mitochondrien. Die Mitochondrien werden oft als Kraftwerke oder Batterien beschrieben, die die notwendige Energie für diverse Organ- oder Körperfunktionen liefern. Es sind sogenannte winzige Organellen in den Zellen. Normale gesunde Zellen sollen durchschnittlich 1500 solcher Mitochondrien besitzen, währendem Herzzellen 3000 und Gehirnzellen an die 6000 dieser Organellen pro Zelle besitzen sollen.
Allerdings konnte man in den letzten Jahren beobachten, dass durch falsche Ernährung, zuwenig Bewegung und Schlaf sowie Lebensstil generell, aber auch durch Umweltverschmutzung diese Organellen gestört oder sogar zerstört werden, so dass die Anzahl der Mitochondrien in Zellen reduziert werden und die Zellfunktion darunter leidet. Die ersten Anzeichen dafür können Müdigkeit oder Erschöpfung sein, bis zu Burn out, was mit der Zeit zu weitergehenden Störungen oder Krankheiten führen kann. Das nur als grober Überblick.
Fasziniert war ich von einem Interview mit Dr. Dan Kalish der ein Vertreter der funktionellen Medizin ist. Auf die Frage wie man denn nun diese Mitochondrien unterstützen und wieder aufbauen kann, hat er geantwortet – durch Co-Enzym 10, Magnesium und Sauerstoff. Dann hat er die Wirkung der ersten beiden Faktoren beschrieben, bevor von den Interviewern die Frage kam: «und wie kann man Sauerstoff aufnehmen?» Da hat er nur milde gelächelt und geantwortet: «ATMEN». Da wurde ich natürlich extra hellhörig und sofort kam mir Pranayama in den Sinn.
Pranayama wird bei uns oft als Atemkontrolle übersetzt, was meiner Meinung nach nicht ganz korrekt ist. Prana ist nicht gleich Atem, Prana ist Energie und beim Pranayama geht es um die Energiekontrolle. Leider beobachte ich immer wieder, dass es die Atemübungen sind, die im Alltag und im Yoga am leichtesten weglassen werden. Aber es ist durch die Pranayama-Übungen, dass wir Energie tanken können. Mehr Information findet ihr in einem älteren Artikel über Pranayama – Was ist das: Prana und Pranayama? – darin hat es auch eine Anleitung für die richtige Grundatmung.
Dann ist Dr. Kalish auch noch auf den Aspekt des Atemanhalten eingegangen, vor allem Rechaka, das heisst das Anhalten des Atems nach dem Ausatmen, im Gegensatz zum Kumbhaka das Atemanhalten nach dem Einatmen. Wobei ich mit ihm übereinstimme, dass es sinnvoll ist zuerst die einfachen Varianten der Atemtechniken beherrschen zu lernen und dann langsam mit Kumbhaka beginnen. Wobei er der Meinung ist, für die Mitochondrien ist schlussendlich das Rechaka am wichtigsten, da aber die Lunge ein empfindsames Gewebe ist, ist es sinnvoll die Lungen zuerst zu stärken, bevor man mit fortgeschrittenen Varianten beginnt.
Es werden noch mehr Informationen zum Thema Pranayama folgen, aber mit diesem Artikel möchte ich euch einfach motivieren dem Pranayama in eurem Yogaritual und eurem Alltag mehr Platz zu geben, denn ich meine, wir alle können mehr Energie gebrauchen.
P.S. da den Mitochondrien Bewegung auch gut tut, hier noch ein älterer Pranayama-Artikel – Per Pedes und Pranayama