Hormesis, Yoga und Verjüngung

Hormesis ist ein Wort, das mir in letzter Zeit immer wieder begegnet ist – und ich finde es sehr faszinierend, auch von seiner Bedeutung her. Ursprünglich stammt dieses Wort aus der Chemie und geht auf die Theorie von Paracelsus zurück, die sagt, dass kleine Dosen giftiger Substanzen eine positive Wirkung auf den Körper haben können.

Eine andere etwas modernere Definition besagt, Hormesis ist eine adaptive oder oder anpassungsfähige Antwort der Zellen oder Organismen auf meistens schwachen und zeitweiligen Stress. Dieser Stress kann sowohl körperlich, psychologisch, biologisch oder ernährungsbedingt sein. Aber die Kernaussage ist, Stress kann positive und ev. sogar ein heilender Impuls sein. Allerdings nur wenn dieser Stress kurzfristig und moderat ist. Probleme werden durch chronischen Stress verursacht. Interessant finde ich, dass diese hormetischen positiven Auslöser fast alle im von Yoga geprägten Lebenstil gefunden werden und zu mehr Widerstandsfähigkeit, Vitalität und Leistungsfähigkeit führen können, sowohl auf der körperlichen wie auch auf der emotional mentalen Ebene. Mir ist der Begriff allerdings vor allem im Zusammenhang mit der Verjüngungsforschung begegnet und es ist spannend was da so alles gefunden hat und aufzeigen kann, was da im Körper so abläuft. Was Yoga bewirkt, wenn man es regelmässig anwendet, weiss man schon lange, nur das Wissen was dabei im Körper abläuft, hat sich mit der neuen Technik, die diese Abläufe messen kann, zeigen lassen. Und somit können die verschiedenen Aspekte des Yogas gezielter eingesetzt werden.

In diesem Text will ich einen kleinen Überblick über das Phänomen der Hormesis geben. Weitere Informationen gibt es inzwischen in Büchern und Vorträgen, die das alles breiter und tiefer erklären.

Aber was sind solche hormetischen Stressfaktoren? Zum Beispiel:

    • Extreme Temperaturen
    • Eine weitere Form der Hormesis ist der kurzfristige Sauerstoffentzug.
    • Des Weiteren weniger essen oder fasten kann hormetische Reaktionen auslösen.
    • Kurzer Schlafentzug soll positiv wirken können.
    • Aber auch Sport hat eine hormetische Wirkung.

Das sind die gängigsten Phänomene, so gibt es noch andere, das würde hier aber zu weit führen.

Nun zum ersten Punkt den extremen Temperaturen. Das beste Beispiel ist wohl Sauna, da werden beide Extreme eingesetzt und Sauna wird ja als sehr gesundheitsfördernd angeschaut. Oder was im Moment aktuell ist, kalt duschen. Generell waren Kaltwasseranwendungen ziemlich zentral bei den Behandlungen von Pfarrer Kneipp. Heute gibt es auch wissenschaftliche Studien zur Wirkung von kalt Wasser, vor allem durch Untersuchung der Wirkung von Eisbädern wie sie von Wim Hof propagiert werden. Generell habe ich den Eindruck, wird in der Verjüngungsforschung Kälte als verjüngender angeschaut als Wärme.

Der kurzfristige Sauerstoffentzug kennen wir vom Yoga und den verschieden Pranayama-Techniken, vor allem jenen die das Atemanhalten zusammen mit Hilfe der Bandhas einbeziehen. Auch da hat Wim Hof mit seiner Atemtechnik, die er auf  Basis jener der Tummo-Mönche weiterentwickelt hat und die sehr intensiv untersucht wird, einiges aufzeigen können. Dabei wurde entdeckt, dass das Blut knapp in den alkalischen Bereich steigt. Das ATP oder Adenosintriphosphat nimmt zu. ATP ist im Körper ein Energiespeicher. Auch die Leistungsfähigkeit der Lunge verbessert sich und anderes mehr,

Diese Wirkungen können auch Yoga-Atemtechniken zugeschrieben werden, da diese eine Stärkung der Lungen bewirken und man mit diesen eine besser Konzentrationsfähigkeit beobachten kann, oder eine Steigerung des Energiehaushalts, denn es hat sich gezeigt, dass durch den etwas erhöhten Sauerstoffgehalt, die Mitochondrien gestärkt werden.

Fasten ist ein weiterer positiver Stress. Heute ist das Intervall-Fasten IF in vieler Munde und es bewirkt vielfältige hormeneutische Reaktionen, die ich hier nicht alle aufzählen kann, aber die positiven Wirkungen sind inzwischen ziemlich anerkannt und vielseitig.

Ein weiterer interessanter Punkt ist der Schlafentzug, der inzwischen auch zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden soll. Vielleicht hat es einfach auch damit zu tun, dass man kurzfristig aus dem gewohnheitsmässigen Trott springt und sich dann wieder ein neuer Ablauf oder mentale Wahrnehmung aufbauen kann.

Auch Sport hat eine hormetische Wirkung. Dirk Auberlen beschreibt in einem Artikel, was beim Sport geschieht folgendermassen: „Ebenso funktioniert der Muskelaufbau durch Krafttraining, bei dem Muskelgruppen bis zur Erschöpfung einem Stressreiz ausgesetzt werden. Dabei kommt es zu Mikroverletzungen in den Muskelfasern. Den Schmerz dieser Mikroverletzungen spüren wir als Muskelkater. In der Erholungsphase heilen die Fasern und das Muskelwachstum wird angeregt, um sich an diese Anforderung anzupassen.“

Nun was diese klein Einführung in Hormesis aufzeigt, ist, dass Stress nicht per se negativ ist, sondern sogar eine positive Wirkung haben kann, wenn man bewusst damit umgeht. Um auf Paracelsus zurückzukommen, es ist wohl einfach auch eine Frage des Mass und nicht nur des Was.

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